Mittwoch, 6. April 2011

das sollte eigentlich in meine Signatur

Noch eine Anekdote aus meinem Seminar von gestern.
Nun soll es ja um Sprache und Recht gehen.
Normalerweise hat mich Deutsch in der Schule ehrlicherweise nie interessiert. In meinem Studium passiert es allerdings schnell, dass einen fachfremde Personen nicht mehr verstehen. Was sich ja dann im Berufsalltag fortsetzt; wer versteht die Briefe die er vom Anwalt oder Amt bekommt schon hundertprozentig?
Ich nicht. Meist muss ich auch ein bischen raten... ^^
Darum wurde uns mal ans Herz gelegt, so zu schreiben, dass jeder es verstehen kann. Na ja. Macht trotzdem keiner... Wer weiß, vielleicht kann ich durch das Seminar meinen Hausarbeitenschreibstil trotzdem noch verbessern. ^^

Als Beispiel für extrem schlechtes Juristendeutsch wurde in dieser Besprechung gestern eine Definition genannt, die möchte ich mit euch teilen, denn als Nicht-Jurastudent bekommt man das wohl nie zu hören. ^^
(zur Erklärung: Die meisten Rechtswörter bedürfen der Definition, die sich meist durch die Rechtsprechung herauskristallisiert, zB "Sache" im Sinne des Gesetzes ist "jeder körperliche Gegenstand" oder "Wegnahme" ist "Der Bruch fremden und die Begründung neuen, nicht notwenigerweise tätereigenen Gewahrsams").
Es erklärt uns das Reichsgericht anno 1879 die technisch brandneue "Eisenbahn":


„Eine Eisenbahn ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbewegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften – Dampf, Elektrizität, tierischer oder menschlicher Muskeltätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch schon durch die eigene Schwere der Transportgefäße und deren Ladung usf. – bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßige gewaltige, je nach den Umständen nur bezweckterweise nützliche oder auch Menschenleben vernichtende und menschliche Gesundheit verletzende Wirkung zu erzeugen fähig ist.“

Zur allgemeinen Erheiterung wollte ich das nun in meine Signatur bei NuS stecken, aber es sind dort maximal 400 Zeichen erlaubt und das sind irgendwas über 1000. Darum also für euch. ^^
Wikipedia spuckt dazu übrigens noch ein sehr schönes Zitat von Ludwig Reiners Stilfibel aus:

„Ein Reichsgericht ist eine Einrichtung, welche eine dem allgemeinen Verständnis entgegenkommen sollende, aber bisweilen durch sich nicht ganz vermeiden lassende, nicht ganz unbedeutende bzw. verhältnismäßig gewaltige Fehler im Satzbau auf der schiefen Ebene des durch verschnörkelte und ineinandergeschachtelte Perioden ungenießbar gemachten Kanzleistils herabrollende Definition, welche eine das menschliche Sprachgefühl verletzende Wirkung zu erzeugen fähig ist, liefert.“

 So, und bevor ich euch weiter langweile, gehe ich lieber zurück zu meinem Unikram. ;)

Kommentare:

  1. Die Eisenbahn-Definition ist witzig! Die andere verstehe ich aber auch nicht xD

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  2. *prust - herrlich!
    gerade das Zitat noch dazu *auf Boden roll und gacker*
    hach ja - das Juristendeutsch XD

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  3. Ich finde da ehrlicherweise nichts Komisches dran ;D

    Aber ich habe ja auch die letzten Tage damit verbracht, Aristoteles, Epikur und Konsorten zu lesen und ich finde, die schreiben viel, viel schlimmer^^

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  4. xDDDDDDD Klasse!

    "auf metallener Grundlage" >.<

    Und der zweite Text ist auch herrlich...^^

    GLG

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  5. Die Definition ist ja wirklich nur ein einziger Satz (mußte grad noch mal kontrollieren). o.O Güte...

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