Samstag, 20. April 2013

No Shopping - Das Buch

Kurz vorne weg: Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, das irgendwas mit dem letzten Eintrag zum 13. Hallenser Lolitatreffen nicht stimmte?  Zumindest habe ich ziemlich wenig Feedback von euch bekommen. *g*

Anyway!

Grad kann ich mich irgendwie noch nicht so recht zum Lernen oder Putzen aufraffen, daher nutze ich die Zeit lieber sinnvoll und schreibe endlich meinen kurzen Bericht zu "No Shopping - Ein Selbstversuch" von Judith Levine, den ich schon vor zwei Wochen schreiben wollte. ^^
Das Buch ist weder ein Ratgeber noch eine Einführung in die Konsumverweigerungsbewegung (die nach  weitaus länger existiert), vielmehr ist das Buch wirklich nur ein Erfahrungsbericht in Tagebuchform.
Man lernt die amerikanische Autorin Mitte 50 und ihren Lebensgefährten vor dem Selbstversuch kennen und begleitet sie dann ein Jahr. Bereits zu Beginn wird deutlich, wie unterschiedlich Konsumverhalten sein kann. Bereits auf der zweiten Seite wird über die Terroranschläge vom 11.9.2001 berichtet - und Shopping als amerikanische Bürgerpflicht umschrieben. Die Regierung wird mit folgenden Worten zitiert: "Kauft einen Flachbildfernseher - oder der Terrorismus hat gesiegt!"

Bereits da wurde mir mulmig. Tja, es ging dann weiter. Das Konsumverhalten der beiden Protagonisten wird skizziert. Beide sind durchschnittlich wohlhabend - eine Wohnung in New York, ein Haus auf dem Land, 3 Autos, Weinabende, Skiausflüge (natürlich nur mit bester Ausrüstung) und und und. Kurz bevor das Experiment an Silvester starten sollte: Hamsterkäufe. So erlebt man eine gestandene Frau in Panik, weil sie unbedingt noch einen Betonelefanten für ihren Gartenzaun bestellen muss!

Hat man dieses Loblied auf den Konsum überstanden, wird es dramatisch. Kein Shopping mehr!
Interessant fand ich noch die Probleme, die im Zusammenhang mit der Auslegung der selbstauferlegten Regeln stehen. Ist das Produkt notwendig? Brauche ich die Flasche Wein?
Davon findet sich allerdings wenig im gesamten Buch. Selten wird davon berichtet, was man nicht gekauft hat und warum - schnell gelangen wir dann zum (gefühlten) Hauptbestandteil des Buches: seitenlange Abhandlungen, die ich mal platt als "Stammtischwissenschaft" bezeichnen mag.
Es ist ja schön und gut, das die Autorin uns nicht nur darüber informieren will, warum sie etwas kaufen wollte und es doch nicht getan hat (zum Beispiel gehören Ohrenstäbchen nicht zu notwendigen Dingen sondern zu Luxusartikeln, teurer Wein für ein Picknick ist aber notwendig). Nein, sie möchte die Mechanismen dahinter erklären. Inhaltlich sind diese Ausführungen für mich irgendwie belanglos gewesen, wirkliche Informationen haben mir gefehlt. Gut, das kann man überlesen. Aber wenn man auf wissenschaftlich fundiertes Material zurückgreift, kann man doch bitte auch Quellen angeben? Vielleicht hätte ich die eine oder andere Sache doch gern nachgelesen, ohne viel Recherche käme ich hier jedoch wohl nicht aus.

Tja, bis hierher eine fade, anstrengende Mischung. Gewürzt wird das ganze dann noch mit Mitleidsbekundungen der Freunde, weil man nicht mehr ins Café/Kino/Restaurante... gehen kann. Anscheindend muss man ohne Konsum vereinsamen!
Dann die größte Tragödie des ganzen Buches: Die beiden wollen ihrer Nichte etwas zum Abschluss schenken. Aber sie dürfen ja nichts kaufen. Daher findet man an dieser Stelle folgende Aussage zu einem Versuch, Origamitiere zu verschenken, der beiden missfällt:
"Und kümmerlich heißt in diesem Fall vor allem eines: billig. Nicht teuer genug. Ich mache mir Sorgen, dass unser Geschenk nicht substanziell genug ist. Es ist ohnehin schon schwer, ohne Konsum Spaß zu haben, in den Genuss fröhlicher Gesellschaft zu kommen, seinen Status zu definieren, eine gute Stelle zu bekommen oder gar die eigene Identität zum Ausdruck zu bringen - aber ohne Konsum ein schönes Geschenk zu machen ist fast unmöglich. Ganz egal wie liebevoll man es auch faltet - in geknicktem Papier manifestiert sich keine Liebe (oder zumindest nicht in ausreichendem Maße), weil es einfach nicht genug kostet."
(Levine, No Shopping, 2. Aufl. 2008, S. 136)
Spätestens hier war mir klar: Das ist kein Buch, aus dem ich Lehren ziehen kann.
Ich habe mich dann doch noch Stück für Stück durchgearbeitet - ich hoffte, am Ende käme vielleicht doch der große "Ah"-Effekt. Leider nicht.
Es geht zu belanglos zu Ende, wie es begonnen hat.

Jetzt kann ich auch verstehen, warum meine Mutti das Buch gar nicht erst beendet hat. Mir hat es nicht gefallen. Und jetzt kann ich endlich Eragon lesen! ^^

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch auch nicht zu Ende gelesen, weil ich es einfach nur anstrengend und langweilig fand. Von so einem Experiment hätte ich mir mehr erhofft.

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  2. "Ganz egal wie liebevoll man es auch faltet - in geknicktem Papier manifestiert sich keine Liebe, weil es einfach nicht genug kostet"
    Bitte???!!!!
    Kein Wunder, dass dir dieses Buch nicht gefällt. Es vermittelt anscheinend doch eine ganz andere Mentalität als sie uns DIYlerinnen zu eigen ist. Denn was geht schon über ein selbst gemachtes Geschenk, dem man ansieht, was für Gedanken - oder auch "nur" Mühen - sich der Schenkende gemacht hat?
    Meiner Meinung kann kein Geschenk mehr Liebe manifestiern!

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  3. Puh, das klingt ein bisschen... hohl(birnig).
    Nun sind Origami-Tiere vielleicht wirklich nicht der absolute Oberhammer, aber wenn das tatsächlich auch das einzige ist, das einem einfällt: Traurig.

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  4. Das klingt wirklich überaus anstrengend und unschön. Keinen teuren Wein für ein Picknick zu kaufen ist eine Sache - aber wegen "Konsumstopp" nichts mehr zu verschenken ..? Ich verstehe ja auch, dass man mit drei Autos nicht zwingend ein viertes braucht oder mit siebzig T-Shirts noch ein einundsiebzigtes - aber irgendwo sollte man sich eben selbst auch sinnvolle Regeln auferlegen und nicht in Selbstmitleid zerfließen, weil einem die eigenen Regeln plötzlich nicht mehr gefallen.

    Vom Titel her fand ich deinen Post sehr interessant, wie du wohl auch den Titel des Buches interssant fandest - nur, dass dein Post es wirklich war (wenn auch auf deprimierende Art und Weise), das Buch aber offenbar nicht ;)

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  5. tapfer, dass du dir den Quark bis zum Ende angetan hast! Mir hättest es, glaub ich, spätestens an dieser zitierten Stelle gereicht! -.-
    So ein Schmarrn ist mir lange nicht mehr begegnet!!
    Und albern ist es auch - dass man ständig versucht noch Schlupflöcher zu finden - und ohne Geld ausgeben kann man keinen Spaß haben?! Total behämmert *tz

    Wir wissen das besser! *knuddel - vllt solltest DU darüber ein Buch schreiben! ^^ Es wäre sicher 1000x besser und informativer!

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  6. Ich bin froh, das ihr meine Meinung teilt!

    Vielleicht sollte ich wirklich ein eigenes Buch schreiben - aber das wäre dann wohl eher ein "Statt kaufen lieber selbstmachen"! ^^

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    1. PRO!!!
      Würd ich auch kaufen! ^^
      UND es ist dann gleichsam ein Widerspruch bzgl des "ah, mein Geschenk ist zu billig buhu!" XD

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