Donnerstag, 4. Dezember 2014

Helen Winthorpe Kendrick - Stitchopedia

Bei den letzten 7 Sachen ist einigen von euch vielleicht das Stickwerk aufgefallen, dass ich an diesem Tag begonnen habe. Seit meiner Kindheit sticke ich nun schon, allerdings bin ich lange über Kreuzstich-Motive, natürlich in vorgedruckter Deckchenform, nicht hinausgekommen.
Irgendwann war mir das allerdings nicht mehr genug - ich wollte mehr! Und da stolperte ich im London-Urlaub 2010 zufällig über die englischsprachige "Stitchopedia" von Helen Winthorpe Kendrick!


encyclopedia/Enzyklopädie - Nachschlagewerk, in dem der gesamte Wissensstoff aller Disziplinen oder nur eines Fachgebiets in alphabetischer oder systematischer Anordnung dargestellt ist
 (duden.de)

 "The only embriodery reference you'll ever need" 

Der Untertitel konkretisiert das ambitionierte Vorhaben der Autorin noch mal. Eine umfassende Darstellung zum Thema Sticken sollte hier auf 224 Seiten entstehen. In einem festen Einband mit Ringbindung kommt die Zusammenstellung aus dem Jahr 2010 daher, gedruckt auf mattem, hochwertigem Papier. Dennoch sollte man wegen der Bindungsform beim Blättern etwas vorsichtiger sein, wer zu euphorisch sucht, könnte hier schnell Schäden verursachen.
Das Design finde ich so zwar ganz nett, aber ehrlich gesagt erschließt sich mit der Nutzen der Bindung nicht ganz. Auf eine Seite zusammenklappen funktioniert ja wegen dem festen Einband nicht, dabei wäre das bei dem großzügigen Format eigentlich von Vorteil.

Bevor ich mich aber dem Inhalt widmen konnte, war ich schon von den unzähligen Abbildungen, Fotos und der liebevollen Gestaltung begeistert: Auf jeder Seite finden sich Abbildungen, die sich organisch in das Layout einfügen und Lust auf mehr machen!

Links: Darstellungen der knappen Anleitungen. Rechts: Beispiel für eines der Projekte und die Ringbindung.

Was könnt ihr hier lernen?

Die Stitchopedia lässt sich in zwei Kernstücke aufteilen: Theorie und Praxis.
Nach einer ausführlichen allgemeinen Einführung zur Geschichte des Stickens, Materialen und Ausrüstung, einer Kurzvorstellung von grundlegenden Techniken, einer Anleitung zum Spannen und Rahmen fertiger Stickwerke sowie einigen kurzen Hinweisen zum Design kommt der theoretische Teil.
Vorgestellt werden: 
  • "Stumpwork" (eine Applikationsform, bei der das Gestickte besonders erhaben ist) 
  • "Blackwork" (Strickerei mit schwarzem Garn auf hellem, meist weißem Grund, vgl. japanische Sashiko-Technik) 
  • "Canvas Work" (Stickarbeiten ohne große Zwischenräume auf Leinwand, die auf Zählmustern basieren; ähnlich zu gewobenen Wandteppichen, hier auch bekannt als Stickbilder, zum Beispiel mit engmaschigen Kreuzstichmotiven)
  • "Crewel work" (deutsch auch Krüwellstickerei; basiert nicht wie Canvas Work auf Zählmustern sondern wird freier gestaltet; als Material dienen meist voluminösere, nicht verdrillte Fasern)
  • "Freestyle embroidery" (eine uneindeutig abzugrenzende Technik, bei der laut der Autorin quasi alles möglich ist: Verschiedene Stiche können mit allen möglichen Materialien kombiniert werden, auch Applikationsarbeiten sind möglich)
  • "Hardanger" (wie im deutschen Sprachgebrauch handelt es sich um eine besondere Form der  Durchbruchstickerei, die Öffnungen im Stoff werden durch Schnitte erzeugt)
  • "Pulled Work" (Technik, die eine spitzenähnliche Optik erzeugt, in dem Fasern des Grundstoffes nicht zerschnitten, sondern zusammengezogen werden, wodurch die Durchbrüche erzeugt werden)
Zu diesen sieben Grundtechniken werden insgesamt 262 Stiche in kurzen verschriftlichten Anleitungen mit ergänzenden Skizzen vorgestellt. Diese sind zwar den Techniken zugeordnet, soweit ein Stich aber auch für weitere Techniken relevant ist, wird darauf verwiesen. Damit man nicht den Überblick verliert, findet sich am Ende der Theorie noch eine Liste, die mit Fotografien jeden Stich aufzählt.

Und was stellt ihr mit dem Wissen an?

Auch so eine umfassende Sammlung ist natürlich nicht viel wert, wenn man nicht weiß, was man damit produzieren soll. Die vielfältigen praktischen Beispiele, die bereits im ersten Teil des Buches zu sehen sind, können natürlich nicht Eins-zu-Eins in Anleitungen dargestellt werden, aber der praktische Teil der Stitchopedia bietet trotzdem die stattliche Anzahl von 30 Projekten.
Jede dieser Anleitungen ist mit Zeichnungen, Bildern vom fertigen Objekt, konkreten Angaben zum notwendigen Material und den verwendeten Stichen ausgestattet und erklärt übersichtlich Schritt für Schritt, wie man zum gewünschten Ergebnis gelangt.

Meist handelt es sich dabei nur um Stickmotive, die nachgearbeitet und frei weiterverwendet werden können, nur bei wenigen Ideen finden sich auch die konkrete Anweisungen, wie sich Karten, Kissenhüllen oder Taschen mit der vorgestellten Technik herstellen lassen.

Sammlung mit Mehrwert

Ein bisschen Kreativität braucht es also auch hier, wenn man am Ende nicht nur eine ansprechende Sammlung an bestickten Stoffstückchen haben möchte. Den im Verhältnis eher kleinen Praxisteil - nur ca. ein Viertel des Umfangs wird dafür verwendet - kann man hier als echten Nachteil sehen. Außerdem solltet ihr einige englische Stickvokabeln beherrschen (oder zwischendurch zu Übersetzern greifen).

Zur Illustration, was man alles mit Nadel und Faden anstellen kann, stellt die Stitchopedia aber eine echte Fundgrube dar, die ich wirklich zu schätzen gelernt habe. Kein Stickbuch, dass ich seither in der Hand hatte, konnte mit diesem Goldschatz mithalten. Ein weiterer Pluspunkt: Mittlerweile ist das gute Stück auch ganz einfach über Amazon bestellbar!

In diesem Sinne: Stöbern - Inspirieren - Neues entdecken!

 Weitere Besprechungen zu Büchern kreativer Spielarten findet ihr in meinem offenen Bücherregal!

Kommentare:

  1. Ich hatte das gute Stück ja auch schon ab und an bei dir in der Hand und muss sagen: Es ist wirklich faszinierend, was dort alles mit Nadel und Faden gezaubert wird. Das ist für mich fast so toll wie ein Rezeptbuch - die Bilder sind schon so schmackhaft, dass ich am liebsten direkt loslegen würde *hihi

    Außerdem: Sehr schöne und auch informative Besprechung :)

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    1. Oh ja, Rezeptbuch ist eine tolle Assoziation, ganz genauso geht es mir damit auch! :D

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