Donnerstag, 29. Januar 2015

Natsuno Hiraiwa: Shape Shape

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich liebe Details. Bei Nähprojekten (nicht nur dort, aber da am auffälligsten) verliere ich mich gern in Winzigkeiten, Innenschön und (Taschen-)Planungen, sodass ein einfaches Projekt dann manchmal zum Monster - oder noch schöner - nie realisiert wird. Ich mag das. 
Auch lange an einem Projekt zu arbeiten, schafft manchmal erst die innige Bindung, die ich zu meinen Nähwerken aufbaue. Aber manchmal muss es auch einfach gehen. Am besten easy und effektvoll, und vielleicht auch schneller zu nähen. Aus dem Hause Stiebner scheint es dafür das ideale Buch zu geben: 

"Shape Shape. Minimalistische Mode mit maximaler Wirkung"


Nähprojekte chic in Szene gesetzt - auch auf dem Cover.

Die Autorin des Buches Natsuno Hiraiwa studierte Kunst in Tokio und Modedesign in Paris, daher ist die Wirkung der Modelle in ihrem Buch kaum verwunderlich: Auf den ersten Blick zurückhaltend und beinahe nüchtern, enthüllt sich bei näherem Hinsehen eine gewisse Rafinesse. 
Die einzelnen Stücke spielen mit runden Formen, ungewöhnlichen Faltungen und einfachen Schnittteilen - hier ist der Titel wirklich Programm! 
Zwei potentielle Lieblingsstücke: Variable Stola und Ärmellose Bluse mit toll verdrehtem Rücken.
Insgesamt 19 Projekte sind enthalten: 5 Blusen, 4 Röcke, 3 Schals/Kragen, 3 Stola/Capes, 2 Taschen, 1 Weste und 1 Hose. Schnittauswahl ist damit etwas Blusenlastig, aber sonst recht ausgewogen, wie ich finde (auch wenn ich persönlich ein bisschen traurig bin, das kein Kleiderschnitt enthalten ist ^^). Die Designs sind dabei auf Vielfältigkeit ausgelegt: Die beiden Beispiele oben lassen sich zum Beispiel auf ganz unterschiedliche Weise tragen.

"Wie man die Kleidung am besten trägt, hängt von der Person ab, die sie trägt: Von ihrer Figut, ihrer Stimmung, dem Anlass, dem Aufenthaltsort. Als Designerin versuche ich, Kleidungsstücke zu entwerfen, die der Trägerin möglichst viel Freiheit und Gestaltungsspielraum lassen, anstatt sie in fest gefügte Formen zu zwängen (...)."
(Shape Shape, S. 6)
Nun, den modischen Spielarten sind aber auch Grenzen gesetzt. Besonders einschränkend wirkt sich dabei leider die Größenauswahl der Schnitte aus. Zunächst sind die Kleidungsstücke für eine Körpergröße von 160cm ausgelegt - das ist für die durchschnittliche Europäerin schon ein "kleines" Problem. Zudem sind die Kleidergrößen auf S, M und L beschränkt, dabei geht "Large" von einem Brustumfang 91 cm und Hüftumfang von 98cm aus - kein besonders umfangreiches Größenprogramm.
Zugegeben, für einen Halbkreis mit zwei Löchern bräuchte man vielleicht keinen Schnitt und keine Anleitung - bei einigen anderen Modellen kommt man aber nicht so "leicht davon". Schließlich will ich mir kein Nähbuch zulegen, dessen Schnitte ich alle erstmal vollständig anpassen müsste!

Apropo Schnitte: Diese sind alle auf beiliegenden Mehrschnittbögen verteilt. Damit entfällt nerviges Ausdrucken und Zusammenkleben, dafür muss man aber abmalen. Dabei sollte man auch schon bedenken, das die Schnitte keine Nahtzugabe enthalten.

Beispiele für den Anleitungsteil: Einnähen eines Reißverschlusses und Fertigstellung der Ärmellosen Bluse.
Hat man sich dann einmal für ein Modell entschieden und den Schnitt entsprechend auf den Stoff gebracht, geht es zum entscheidenden Schritt: Dem Nähen.
In der typisch japanischen Vorgehensweise folgen die eigentlichen Anleitungen am Ende des Buches, zuvor werden auf großformatigen Fotos die Projekte vorgestellt. Der Anleitungsteil ist, ebenfalls typisch, textreduziert und stattdessen mit vielen Zeichnungen versehen. Verweise innerhalb der Anleitungen verkürzen diese nochmals. Doch sollte man sich hier nicht von der einfachen Darstellungsweise und den simplen Modellen täuschen lassen:
Die Verarbeitung hier soll hochwertig sein. Ein Schal aus zwei Stoffstücken wird beispielsweise mit doppelt eingeschlagenen Kannten und französischer Naht gearbeitet, an anderer Stelle kommt verstärkende Einlage und Schrägband zum Einsatz oder die Nähstücke werden aufwendig gefüttert. So werden einfach anmutende Nähstücke doch zum Teil sehr aufwendig.
Abgerundet werden die Anleitungen durch "Technische Hinweise", die, in absoluter Kurzform, die Verarbeitung von Schrägband, das doppelte Einschlagen der Nahtzugabe, Französische Naht und Kappnaht, das Einarbeiten von Knopflöchern, das Annähen von Knöpfen und das Einnähen von Nahttaschen erklären.

Der vielfältigen Modellauswahl sei Dank finden hier Anfänger, Fortgeschrittene und Profis tolle Nähprojekte, die sich bei Bedarf auch gut an das eigene Können anpassen lassen. Nur die eingeschränkte Größenauswahl sollte bei der Modellwahl mitgedacht werden - wer hier nicht selbst anpassen will, sollte japanische Schnitte grundsätzlich mit Vorsicht genießen.

Der Teufel steckt eben doch im Detail. ;)

Natürlich landet auch diese Besprechung in meinem offenen Bücherregal!

Ich bedanke mich beim Stiebner Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Ein spannendes Buch mit einem tollen Grundgedanken - die Kleidung so variabel wie möglich zu halten. Deine beiden Lieblingsstücke sehen schon richtig vielversprechend aus ^^
    Schade aber, dass das mit den Größen so problematisch ist. Ich hoffe, du kannst trotzdem mal ein Stück daraus für dich nähen :)

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    1. Ich bin wirklich total verliebt in diese "ärmellose Bluse" - und auch ein Origami-Cape hat es mir angetan. Bei Gelegenheit werde ich mich vielleicht mal an so einem Teil versuchen, skeptisch bin ich aber trotzdem. :/

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  2. Das sieht nach einem spannenden Werk aus! Ich bin eigentlich nicht so ein großer Fan von so minimalistischer Mode...aber sicherlich kann eins die Teile gut kombinieren und/oder mit Accessoires etwas aufmotzen.
    Wirst du denn mal ein Stück daraus nähen und uns dann präsentieren?

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    1. Wie gesagt, das wäre sicherlich ein Stück Mehrarbeit. Aber es gibt doch ein paar Sachen, deren Idee ich sehr mag - es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, das ich es doch mal versuchen werde.
      Dann kann ich sicherlich wieder nicht an mich halten und werde ganz viele Innenschöns und Zusätze einbauen. Ich kenn mich doch. ^^

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  3. Das Buch hab ich seit längerer Zeit auf meiner Geburtstags- bzw. Weihnachtswunschliste. Geschenkt hats mir bisher aber niemand. :) Und selber kaufen wollte ich dann doch nicht. Jetzt hast du mich aber trotzdem noch neugieriger gemacht. Vielleicht hol ichs mir dann doch...

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    1. Mensch. Dann musst du da mal ein bisschen nachhaken! ;)
      Die Modelle darin sind wirklich hübsch!

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  4. Die Modelle sehen wirklich sehr schön aus, vielleicht sollte ich mir mal mehr solche schlichten und doch raffinierten Stücke nähen, denn eigentlich mag ich so etwas sehr gerne.
    Schade dass die Grössen so eingeschränkt sind. Bei dem Buch "Stilikonen" ist es ähnlich, da passt selbst mir halben Portion die kleinste Grösse bei weitem nicht mehr und L ist auch nicht wirklich gross.Schade dass die Verlage sich damit vor allem ins eigene Bein schiessen und die Bücher für viele schlicht uninteressant werden.

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    1. Leider scheint das bei Büchern wirklich ein generelles Problem zu sein. Hier handelt es sich ja um eine Schnittsammlung, die aus dem japanischen Raum übernommen wurde... da ist das Anpassen auf europäische Körper natürlich mit einigem Aufwand verbunden.
      "Stilikonen" hatte ich auch schon mal ins Auge gefasst, aber da muss ich dann wohl doch eher Abstand nehmen. :( Gerade, wenn die Schnitte komplizierter werden, wird auch Vergrößern ja eher zu einer Schätzrunde.
      Schade!

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  5. Minimalistische Schnitte liegen mir normalerweise auch nicht. Aber die raffinierten Details machen die Stücke zu was Besonderem.
    Ich habe schon so lange nicht mehr genäht, aber du schaffst es mir immer wieder so ein klein bischen Gusto zu machen :)

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    1. Hihi, das ist doch gut! Ich glaube, ein kleines Nähstück aus "Shape Shape" wäre auch gut als "Wiedereinstieg" geeignet! ;)

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  6. Sieht interessant aus! Ich mag ja eigentlich experimentelle Schnittmuster.
    Allerdings sehen solche Kleiderformen (besonders die mit wenigen Schnittteilen aus einfachen Formen) meist nur an einem eher flachen Körper gut aus. Mit Kurven braucht man einfach Abnäher und eng anliegende Teile, damit es kein Zelt wird :-/
    Und 1,60 m ist immer noch zu lang für mich, hmpf!
    Nene, ich glaub, das ist kein Buch für mich :D

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    1. Ja, das hast du grundsätzlich Recht!
      Wobei das hier schon noch ginge, die Wickelröcke, Hose oder auch Teile, die quasi Bolerolänge haben, lassen sich auch mit einer kurvigen Figur gut tragen.

      Allerdings zeigt dein Beispiel auch wieder, das Konfektionsschnitte eben meinst in die eine oder andere Richtung knapp werden können ... das tröstet mich ein bisschen. ;)

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