Dienstag, 10. März 2015

Endlich Stricken für Stricknoobs?

Dorothee Borck - Knooking. Häkeln im Strick-Look

Wenn ich euch jetzt erzähle, dass ich nicht besonders gut Stricken kann, trage ich Eulen nach Athen. Dennoch habe ich manchmal das dringende Bedürfnis nach Strickwerk. Dann kann ich entweder auf Geschenke oder Tauschgeschäfte zurückgreifen - oder aufs Knooken. 
Wenn ihr mit dem Begriff nichts anfangen könnt, geht es euch genauso wie mir vor einigen Wochen, umso neugieriger war ich, als ich "Knooking. Häkeln im Strick-Look" in der neuen GU-Kreativ-Reihe entdeckte.


Knooking - Was ist das?

Knooking - auf Deutsch übrigens "Sträkeln" - ist eine Häkeltechnik, die mit einer modifizierten Häkelnadel, Wolle und einem Hilfsfaden eine ziemlich überzeugende Strickoptik erzielt. Der Hilfsfaden dient dabei als vereinfachte zweite Stricknadel. Auch wenn es so ähnlich aussieht wie Tunesisches Häkeln haben die beiden Techniken übrigens nichts miteinander zu tun.

Anscheinend war ich bei diesem neuen Trend auch wieder ein bisschen lahm, denn bei meinen Recherchen habe ich schon einige andere Knooking-Bücher entdeckt, die Anfang 2014 erschienen sind. Sogar Socken kann man knooken (wenn man denn will). 
Grundsätzlich sollen sich alle Muster Knooken lassen, die man auch Stricken kann.

Das Buch

Auch wenn theoretisch alles möglich ist, beschränkt sich das Buch von Dorothee Borck erstmal auf Grundtechniken. Mit den 64 Seiten soll man so schnell die Grundlagen lernen können. 

Zunächst gibt es einem kurzen Einstieg, der im Überblick alle nötigen Materialien vorstellt. Solltet ihr wie ich direkt motiviert loslegen wollen, müsst ihr hier zunächst eine kleine Enttäuschung verkraften: Normale Häkelnadeln kann man hier leider nicht verwenden
Knooking-Nadeln haben am Ende ein großes Öhr, durch das der Hilfsfaden gezogen wird. Hier kann man leider auch nicht tricksen. Gut ist allerdings, das entsprechende Nadeln sicherlich nicht schwer aufzutreiben sein werden. Ich habe meine von Prym.

Wie in einem Grundkurs üblich wird dann mit einfachen Basics begonnen, damit man sich von Projekt zu Projekt steigern kann. Die Projektauswahl empfinde ich dabei leider als Schwachpunkt. Nacharbeiten kann man
  • Topflappen 
  • eine Nackenrolle
  • ein Armband 
  • einen Ball 
  • einen Hockerüberzug 
  • eine Vasenhusse 
  • einen Mohairloop 
  • einen Rucksack
  • ein Körbchen
  • eine Sommermütze
  • Babyschuhe
  • Untersetzer
  • ein Maschenmix-Kissen
  • ein Hauskissen
  • ein Colourblocking-Kissen
  • eine Babydecke "Female" 
  • und eine Clutch.
Potential zum Lieblingsprojekt?

Insgesamt 17 Projekte, die insgesamt sehr abwechslungsreich sind, aber meinen Geschmack einfach nicht so recht treffen. Ich kann mit geknookten Bällen oder Vasenhussen einfach nicht so viel anfangen. Dann vielleicht lieber noch zusätzliche eine Mützenabwandlung, einen gestreiften Schal oder Stulpen?

Ergänzt werden die Projekte durch 15 Grundtechniken. Vorgestellt werden Basics, der Maschenanschlag, rechte Maschen, Wenden, Abketten/Vernähen, linke Maschen, Zusammennähen, in Runden Knooken, Maschen abnehmen, Maschenstich, Kettenstich, Langettenstich, Quasten, Intarsien und Jacquardmuster (Fair Isle) - eine ganze Menge also.

Die GU-Kreativ-App

Während die Anleitungen zu den einzelnen Projekten im wesentlichen knappe Textanleitungen sind, werden die Grundtechniken sowohl in Wort als auch in Bild erklärt, wie ihr oben schon einmal kurz sehen konntet. Gerade für häkelerfahrene Knooker werden diese sicherlich ausreichen, wenn ihr allerdings wie ich manchmal ein bisschen auf dem Schlauch steht (... linke Maschen ...) gibts das besondere Feature: Die GU-Kreativ-App!


Im Apple App Store oder Google Play Store kostenlos herunterladen und auf dem Smartphone installieren, dann die App starten, das gewünschte Buch in der App auswählen und das kleine Anleitungssymbol scannen - Video starten + Loslernen!

Soweit die Theorie. In der Praxis habe ich immer noch nicht ganz den richtigen Winkel zum Scannen herausgefunden... Aber wenn man die Videos dann mal geladen bekommen hat, sind sie wirklich hilfreich! 
Ein paar Dinge gäbe es in meinen Augen noch zu verbessern, beispielsweise initialisiert die App jedes Mal aufs Neue das entsprechende Buch, was einige zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt. Positiv ist allerdings, das man dafür nicht mit dem Internet verbunden sein muss, nur das Buch muss man zum Laden der Videos dabei haben.

Eine kleine Nebeninfo, falls sich noch jemand so glatt anstellt wie ich: Um die weiteren Funktionen "Meine Projekte" und "Einkaufsliste" nutzen zu können, reicht es nicht aus, das Projekt in der App zu suchen. Auch diese müssen zunächst gescannt werden.
(Dafür gibt es kein Icon im Buch und keine weitere Erklärung... erst eine Nachfrage beim Verlag hat mich über meine Fehlerquelle aufgeklärt. ^^°)

Und wie erfolgreich war ich jetzt schon im Knooken?



Da ich mich mit keinem der anfängertauglichen Anleitungen anfreunden und auch nur eine Knookingnadel in Nadelstärke 4,0 auftreiben konnte, blieb nur selbst nachdenken. Ich wollte ein Stirnband anschlagen -Versuch Nr. 1 seht ihr in der oberen Reihe. 
Also die Strickoptik stimmt schon mal! Yeah! Es rollt sich sogar ein wie ein typisches Strickstück (argh - was kann man denn dagegen machen?) ... und wie ein für mich typisches Strickstück passt es nicht

Es ist insgesamt zu klein geworden, was sich auch nicht mehr beheben lies, denn ich habe ganz ambitioniert im Kreis geknooked. Versuch Nr. 2 - untere Reihe - sollte dann ein Perlmuster bilden. Hier haperte es schon an den linken Maschen, die ich dann erst in der 7. Reihe richtig hinbekommen habe.

Anscheinend ist Knooken doch nicht so idiotensicher, wie ich gehofft habe. Meinen Übermut sollte ich gehörig zurücknehmen und lieber den Anleitungen und Videos aus dem Buch vertrauen. Vielleicht brauche ich ja doch irgendwie mal einen geknookten Ball... ? ^^

Fazit:

Alles in allem liefert "Knooking. Häkeln im Stricklook" eine toll erklärte Technik für Neulinge oder Häkelfreunde, die wie ich auch mal was strickiges machen wollen und die Lust auf ein paar ungewöhnliche Projekte haben. Die Unterstützung durch die App ist Gold wert! Wer allerdings bereits gut Stricken kann, braucht sich mit dem Fadensalat eher nicht aufhalten.


Auf jeden Fall kommt das Buch aber in mein offenes Bücherregal, außerdem verlinke ich meine geknookten Ergebnisse beim Creadienstag

Und schließlich möchte ich mich noch beim GU-Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars bedanken! :)

Kommentare:

  1. Also erstmal: Ich finde die Rezi richtig schön geschrieben. Man bekommt einen guten Einblick und ich glaube im endeffekt ist der GU-Verlag sich hier in der Machart der Kreativ-Ratgeben treu geblieben. Find ich prinzipiell gut :)

    Von der Projektauswahl her stehe ich aber wahrscheinlich so ähnlich da, wie du. Bei einigen Dingen wüsste ich nicht mal genau, wie ich mir das vorstellen kann ^^; (so viel zum Thema glatt anstellen).

    Deine geknookted Projekte finde ich vom Look her aber schön - gerade das erste! Wie schade, dass es zu klein geworden ist :/
    Aber sollte es dich mal rappeln, dann bin ich mir sicher, dass du das Stirnband dann mit noch etwas Übung richtig gut hinbekommen würdest. Du häkelst ja schließlich auch Mützen inzwischen mehr oder minder frei Schnauze :D

    Die Technik würde ich mir aber auf jeden Fall mal gerne von dir zeigen lassen. Denn von der Optik her ist es ja vom gestrickten wirklich kaum zu unterscheiden. Da muss es ja also einen Vorteil geben, warum man dann knooken präferieren könnte *neugierig :)

    Vielen Dank auf jeden Fall für diese Einsicht :D

    ps.: und wenn du mal was brauchst und weder knooken noch stricken selber klappt - ick bin da :*

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    1. Danke, das dir die Rezi gefällt. Ich hab ja immer ein bisschen Angst zu ausführlich zu sein, aber das sind eben die Punkte, die mich bei einer Buchvorstellung interessieren. Und gerade die App finde ich auch so dermaßen praktisch, das musste halt noch mit rein. *g*

      Klar zeige ich dir (bzw. euch) die Technik. :D Dann kannst du mir ja vielleicht auch noch ein paar Tipps geben, schließlich hast du entsprechende Strickerfahrung. ^^

      Der Vorteil beim Knooken ist ganz kurz gesagt, das man 1. nur eine Nadel hat und 2. die Nadel eben vorne das Häkelhäkchen hat. Damit bekommt man den Arbeitsfaden einfach viel besser zu fassen als beim Stricken. ^^

      Ich weiß ja, auf dich kann ich mich bei solchen Sachen immer verlassen! :*

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  2. Wow, der Unterschied zum Stricken ist im fertigen Zustand ja wirklich kaum zu erkennen!

    Wenn man geknookten Stücken die gleichen Eigenschaften zusprechen wie Gestricktem, liegt das Einrollen daran, dass du anfangs glatt rechts gearbeitet hast. Dagegen hilft an den Rändern (wenn man flach arbeitet, auch seitlich) eben *nicht* glatt rechts zu stricken/knooken - also ein Rippenmuster oder kraus zu stricken. Das Stirnband im Perlmuster rollt sich daher auch nicht auf. :)

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    1. Ich seh schon, ich hätte einfach noch mal ein Strickstück daneben legen müssen. Theoretisch sollte man nämlich eigentlich gar keinen Unterschied erkennen (oder sieht der Maschenanschlag vielleicht anders aus? *grübel*)

      Aaaaah - das könnte es wirklich sein! :D Dann versuche ich es nächstes Mal mit einem Rippenmuster - oder vielleicht doch noch mal mit Perlmuster. Das sieht auf der Vorlage nämlich total toll aus.
      Danke für den Tipp! :D

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  3. Ahhhhhh, jetzt wird mir endlich klar, was das ist!
    Schon interessant, die Technik.

    Von den Buchprojekten bin ich jetzt auch nur mäßig begeistert - davon abgesehen, dass da drei (!) Kissen dabei sind, vermisse ich Strickkenntnisse vor allem, weil ich gerne Pullover und Socken und so was stricken können wollte. Also Dinge, die weich und elastisch sein sollen. Was bringt mir bitte ein elastischer Rucksack?

    Danke für die tolle Rezension - das Buch werde ich mir sicher nicht kaufen, aber vllt. gibt es ja auch eins mit anderen Vorschlägen. =)

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    1. Wer hier voll auf seine Kosten kommen wird, sind Freunde von Textilgarn (da hast du ja auch reichlich Erfahrung *g*), aber ansonsten ist die Projektauswahl wirklich nicht so ganz nach meinem Geschmack. Vielleicht legt GU hier ja noch nach?

      Mein erster Gedanke hierzu war, das sich so große Dinge wie Pullis sicherlich schwerer knooken lassen, da man ja dann mit dem ziemlich langen Arbeitsfaden hantieren muss. Aber auf der anderen Seite muss man das bei größeren Kissen ja auch. Mhm.

      Abgesehen von der Projektauswahl lohnen sich die knapp 9€ aber definitiv, um die Grundlagen der Technik zu lernen. Das muss ich hier noch mal betonen. :)

      PS: Diese Rucksäcke (es ist der, der auch auf dem Cover ist) find ich übrigens per se unpraktisch... die dünnen Schnüre schneiden doch total schnell in die Schultern ein?

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  4. Witzig - das Buch muss ich mir bei dir wirklich noch einmal genauer anschauen. Für's Stricken bin ich nämlich wirklich zu unkoordiniert, aber vielleicht reichen meine Fähigkeiten zumindest zum Knooken?
    Mit diesem Extra-Faden sieht das ganze jedenfalls sehr abenteuerlich aus.

    Deine ersten Projekte sehen optisch ganz toll aus - auch wenn es mit der Passform noch etwas hapert. XD

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    1. Klaro, ich legs direkt mit zu den Tapes, die ich für euch erjagt habe. *g*
      Der Hilfsfaden ist eigentlich gar nicht so schwer zu bändigen und da du ja schon gut häkeln kannst, sollte das für dich auch ein Klacks sein!
      Ich hab den zweiten Versuch für das Stirnband noch auf der Nadel, da könnt ihr euch dann in Ruhe ausleben... XD

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    2. Ich fürchte, wir werden die Abend knookend verbringen. XD

      (Baaaaaaaald - noch einen Tag und ich fange an Stunden zu zählen. :D)

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  5. Hihi, ich habe bei der Beschreibung deines Stirnbandversuchs gerade herzlich gelacht. Ich drücke die Daumen, dass der zweite Versuch besser wird. Insgesamt gefällt mir die Strickoptik, die du hinbekommen hast, sehr gut. Aber ich glaube, ich investiere meine Zeit (und mein Geld^^) doch lieber in Strickbücher und -nadeln.
    LG, Sabrina aka Noctua

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    1. Danke, die gedrückten Daumen kann ich ziemlich gut brauchen. *kicher*

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