Donnerstag, 12. März 2015

Ordnungsfreak trifft reines Chaos

Seid ihr auch kleine Ordnungsfanatiker? 
Gerade beim Patchworken (aber, wenn ich ehrlich bin auch bei anderen Nähdisziplinen) sind doch genau aufeinander treffende Ecken und Nähte wunderschön. Symmetrie. Sorgfältiges Bügeln und messerscharfe Kanten. Von ordentlich durchgeplanten Farbarrangements fange ich gar nicht erst an - aber die ganzen Regenbogenverläufe, die ich bei euch bewundert habe, leben ja genau von diesem Perfektionismus. 

Der Miniquilt ist auf jeden Fall für mich und landet somit bei RUMS!

Und nun liegt diese chaotische Sandwüste in Stoffform vor mir. Ca. 50 x 70 cm groß, ohne Sinn, Verstand und Plan genäht, und noch weiß ich nicht so recht, was ich damit anfangen werde. Vielleicht eine Häkelnadelrolle? Ein Kissen? (Spontane Ideen eurerseits? ^^)

Dieser Miniquilt ist etwas besonders. Er ist komplett ohne Plan, ohne Arrangement, genäht - er ist quasi improvisiert. Einfach aus den Resten, die ich sonst beim Aussortieren meines Stoffvorrates weggeworfen hätte. Und es war ein wirklich krasses Erlebnis, mal ganz ganz anders vorzugehen, als ich es sonst zu tun pflege.
Auslöser war die Entdeckung von "Impro-Quilts". Diese Frau ist mit ihrem Buch dafür verantwortlich:

Lucie Summers - Quilten mit Pep

Die Britin, die nach eigener Aussage eine asoziale rote Katze hat und handbedruckte Stoffe verkauft, möchte in "Quilten mit Pep. Inspiration für traumhafte Muster" eine andere Seite vom Quilten und Patchworken vorstellen. Ähnlich wie schon bei "Japanische Quilts" dürfen und sollen die Nähstücke unangestrengt und organischer werden. Ohne pedantisch auf Geometrie achten zu müssen, soll man einfach loslegen können. Wem die zurückhaltenden Farben von Yoko Saito dabei zu trist waren, erlebt bei Lucie Summers nun richtige Farbexplosionen


Doch halt, bevor ich tiefer vordringe, sei noch kurz etwas zum Titel angemerkt. Das bei der Übersetzung des Originaltitels "Quilt Improv" der Impro-Aspekt wegfällt, ist schade, aber verkraftbar. Irreführender finde ich, das hier die Begriffe "Quilting" und "Patchwork" mal wieder ein bisschen durcheinander geraten. 
Zwar gibt die Autorin auch einige Hinweise, wie die fertigen Projekte gequiltet werden könnten, im wesentlichen geht es aber darum, kleine oder größere Stücke Stoff zu einer größeren Fläche aneinander oder aufeinander zu nähen - was zumindest meiner klassischen Definition von Patchworkarbeiten entspricht.

Verzeiht mir diese Wortklauberei, da kommt vielleicht die Juristin in mir durch. ;)
Was steckt denn nun drin?

Links: 12 der 13 Grundtechniken, die hier vorgestellt werden, im Überblick. Rechts: Anleitungsbeispiel.

Das Buch gliedert sich im Grunde in zwei Teile, die von einer Einführung und abschließenden Hinweisen eingerahmt werden. Zunächst handelt die Autorin das Thema Impro-Quilten, ihre Arbeitsweise, mögliche Stoffe, Nähgarn, Grundausstattung und Hinweise zum Gebrauch des Buches auf sieben Seiten ab. Auf den letzten Seiten werden noch Grundtechniken und Bezugsquellen vorgestellt.

Hier darf man allerdings nicht zu viel Erwarten, die Erklärungen ersetzen keine Grundkenntnisse im Umgang mit Nadel und Faden. Wenn ihr peppige Quilts nähen wollt, solltet ihr schon einmal an der Nähmaschine gesessen haben.

So, nun geht es ans Eingemachte. Zunächst der theoretische Teil, hier zeigt Summers, wie man folgende Blöcke herstellen kann:
  1. Applizierter Kreis
  2. Basket Weave
  3. Kettengenähte Streifen
  4. Chevrons
  5. Crazy-Quilt-Dreiecke
  6. Kreuzblock
  7. Half-Square Triangles
  8. Log Cabin
  9. Vierecke
  10. Bullaugen
  11. Viertelkreise
  12. String-Block
  13. X-Block
Wie das Anleitungsbeispiel schon zeigt, basieren die Anleitungen auf kurzen Texten und passend dazu ausgewählten Stofffotos, die das Vorgehen genau illustrieren. Zum Nacharbeiten gibt es übrigens keine Schnittmuster, aber Summers gibt beispielhafte Maße an, an denen man sich zunächst orientieren könnte. 
Damit gerät man direkt weniger in Versuchung, einen Block 1:1 nachzubauen. ;)
Die Anleitungen selbst sind verständlich geschrieben und laden zum Experimentieren ein. Zwar sind 13 Blöcke jetzt nicht überragend viel, aber die einzelnen Ideen passen gut zusammen und können so auch schön gemeinsam verwendet werden. Hier bin ich insgesamt zufrieden mit der Auwahl.
Auf sechs Seiten zum Impro-Quilt.

Nach der Theorie folgt dann die Praxis: Im Schwerpunkt des Buches stellt Summers 12 ihrer farbenfrohen Quilts vor.  

Dabei ist das Vorgehen immer gleich: Auf der ersten Doppelseite ist der Quilt zu sehen sowie das zugehörige Mootboard, außerdem gibt es Eckdaten zu verwendeten Techniken und der fertigen Größe.
Auf der nächsten Doppelseite entwickelt die Autorin dann nochmals die Idee und das Design in Wort und Bild. 
Schließlich folgen auf der letzten Doppelseite der fertige Entwurf und ein genauer Plan zur Anordnung der Teile. 

Man könnte jetzt natürlich versuchen, die Quilts genau nachzuarbeiten, die Infos sind ja im Grunde da. Aber genau das wünscht sich die Autorin nicht, stehts betont sie, dass alle Angaben nur zur Orientierung dienen und wir lieber Improvisieren sollen - genauso wie ich es oben (übrigens nach der Anleitung "Vierecke") gemacht habe.

Mit Interesse habe ich daher gelesen, wie Summers ihre Ideen nach Fotos und Impressionen entwickelt - und auch wenn die kunterbunten Quilts vielleicht nicht mein Geschmack abbilden, ist die Vorgehensweise doch sehr inspirierend. 
Nachdem sich die Anleitung und Arbeitsweise schon als spaßig herausgestellt haben, werde ich bestimmt noch mal einen vollständigen Impro-Quilt versuchen. 

Und für alle, die es unkonventionell und bunt lieben - oder sich einfach nur nicht vorstellen können, mit Linial und Rollenschneider zu Arbeiten, lohnt sich ein Blick auf "Quilten mit Pep"!


Auch dieses Buch gehört natürlich in mein offenes Bücherregal. Außerdem möchte ich mich beim Stiebner-Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars bedanken! :)

Kommentare:

  1. Einfach mal drauf los, sehr schön! Die Farbzusammenstellung bringt ja nochmal was Ruhe rein. Aus ähnlicher 'Technik' hab ich ;Kissenhüllen genäht. Falls du noch Bedarf an Kissenhüllen hast... *g* Also einen Unifarbenen Rahmen drumherum, vlt mit Paspel? ^^

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    1. Ich musste auch ein bisschen an dein Dreiecksprojekt denken, wobei das ja schon ein bisschen mehr in koordinierten Bahnen läuft. :D

      Kissenhüllen wären natürlich noch eine Idee. Danke! :D

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  2. Ich hatte das Buch neulich in der Buchhandlung bei einem Cappuccino sehr-sehr lange in der Hand und war extrem fasziniert davon. Habe es dann letztendlich doch nicht gekauft, weil ich mich ja kenne:

    Sophina und impro - das passt nicht zusammen, auch wenn ich es zutiefst bedauere und gern so eine locker-kreative Improvisiererin wäre, ich bin ein Buchhalterseelchen...

    Für Dein wunderbar improvisiertes Patchwork könnte ich mir gut einen Einkaufsbeutel vorstellen, da bekommt man jedes Mal gleich wieder gute Laune, wenn man damit durch die Gegend zieht.

    Liebe Grüße, Sophina

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    1. *lach* Buchhalterseelchen, das ist ja niedlich! :D
      Trotzdem - vielleicht versuchst du dich ja doch noch mal daran, irgendwann? Die eigenen Ansprüche sind ja bei Typen wie uns etwas, das uns gern im Weg stehen. Wenn es aber gar nicht 100% akkurat werden soll, kommt der Spaß wieder ein bisschen mehr vor. :)

      Einkaufsbeutel ist auch gar keine schlechte Idee - da wäre ich ja sogar noch zum quilten "gezwunden". ^^

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  3. Orrr, hmmmm, das sieht echt schön aus, was du da improvisiert hast!
    (Ich wäre übrigens für eine Tasche! Vielleicht so ne kleine Umhängetasche oder so - das könnte ich mir richtig gut vorstellen.)

    Beim Titel muss ich dir zustimmen - ich find's schade, dass das Thema "Improvisieren" komplett rausgefallen ist. "Patchwork frei Schnauze" wäre doch mal ein Buchtitel. :D

    Danke für die wie immer sehr informative Rezi. Ich find Patchwork total spannend - aber wie gestern erst erwähnt: ich habe genug teure Hobbies. XD

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    1. Noch eine Stimme für eine Tasche - ist notiert! :)
      "Patchwork frei Schnauze" wäre auf jeden Fall ein Buch, das ich aus dem Regal ziehen müsste. *kicher*

      Ach und du weißt ja, wenn das Bedürfnis nach einem Patchworkobjekt groß genug ist, kannst du ja immer mich fragen. *g*

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  4. Finde ich spannend, mal einfach so "planlos" quasi los zu patchworken. Und das Ergebnis hat auch was! :)

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    1. Genauso ging es mir auch - einfach drauf los patchen? Wus? ^^
      Aber das Ergebnis mag ich. :)
      Das mache ich bestimmt mal wieder (ich hab auch schon wieder kleine Reste aussortiert. ^^)

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  5. Das erinnert mich ein bisschen an "Quiltinspirationen" von Jane Brocket, das ich dir gestern ins Bücherregal gestellt habe. Irgendwie scheint das Bedürfnis nach schnellen Quilts ohne viel Aufwand ziemlich groß zu sein.
    Ich bin ja immer noch ein Fan von hangenähten Ungetümen und gehe jetzt das grün-weiße Monster kuscheln.^^

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    1. Genau das dachte ich beim Lesen auch! :D
      Also als ich deine Besprechung gelesen habe. :)

      Handgenähte Ungetüme sind fabelhaft, aber auch für mich darfs ab und an mal schneller gehen. Was ich dann allerdings nicht mehr so toll finde: Auf einem englischsprachigen Blog habe ich mal gesehen, das die Bloggerin einen Stoff vorstellte, den man quasi nur noch quilten brauchte... das ist dann auch kein "quick'n'dirty" Patchwork mehr. *g*

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    2. Ich habe mir auch fest vorgenommen, dass ich mich irgendwann mal an einem schnelleren Quilt (mit Maschine und so^^) versuchen möchte. Mal sehen, wann da was draus wird. ;)

      Aber das mit dem "Quiltstoff" klingt ja wirklich kurios... Was es nicht alles gibt!

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    3. Schau mal hier, ich find das eigentlich ganz niedlich, das werd ich demnächst wohl mal testen, vielleicht ist das auch was für dich? :D

      https://www.pinterest.com/pin/521010250617591026/

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    4. Ich könnte mir mit den richtigen Stoffen vorstellen, dass das wirklich cool wird.
      Aber ich glaub, erst muss ich mal deine Version begutachten, bevor ich mich daran versuche. (Es wäre aber definitiv was, um auch Freunden einen Quilt zu schenken, wenn man nicht jahrelang dran arbeiten möchte...)

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  6. Jetzt komme ich auch endlich mal dazu, dir hier zu kommentieren.

    Ich bin ja immer sehr nervös bei stofflichen Angelegenheiten. Wer da "einfach drauf los" kann - das bewundere ich imens. Dein erstes Stück finde ich mal wieder fabelhaft und ganz Du. ^^
    Ich würde mich auch in die Fraktion Tasche/Beutel einreihen. Ansonsten dachte ich spontan noch an soetwas wie eine Bücherhülle (zu viel Buchmesse? ^^) - aber ich glaube, soetwas nutzt du (ähnlich wie ich) gar nicht so wirklich oder? Aber vielleicht passt es ja um deinen Taschen-Kalender ^^

    Auf jden Fall finde ich es toll geworden und bin schon gespannt, was du dann vllt. beim nächsten Mal mit dieser Technik zauberst ^^

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    1. *g* Ich könnte mir eigentlich vorstellen, das das theoretisch eine Technik genau für dich wäre. Erstens nimmt man Reste (da kann also schon mal nix passieren) und zweitens soll es am Ende gar nicht 100% gerade werden, wenn also mal was schief läuft, ist das auch gar kein Problem! :)

      Die Ideen notiere ich mir mal dazu. Eine Buchhülle würde ich wohl wirklich nicht benutzen - zumal das Stück dafür eigentlich auch zu groß wäre (wobei, ich könnte zur Not ja zwei Hüllen machen *g*). Mal sehen. Im Moment hängt er ganz friedlich in der Nähecke. ^^

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