Dienstag, 28. April 2015

Das Grauen in kleinen Falten

Einen wunderschönen guten Abend! 
Na, seid ihr heute auch alle schön nass geworden? ^^
Ich schon, Regen sei dank. Jetzt wärme ich mich an einer schönen heißen Tasse Aprikose-Pfirsich-Tee und am Klackern meiner Tastatur. Nachdem ich letzte Woche ein bisschen erzählt habe, wie nach Sarah Veblen Schnittanpassung mit Probeteil funktionieren kann, gibt es heute die passenden Einblicke dazu!  

Von vorn...

Der Ausgangspunkt ist das Schnittmuster, genau so wie es von Burda kommt. Ich hatte bei der Größenauswahl den Hinweis ignoriert, nach dem Brustumfang zu gehen, weil es diese Größe sowieso nicht gibt und habe einfach die größte Größe, also eine 42, zugeschnitten.

Auch wenn man theoretisch schon vor dem ersten Probeteil Änderungen vornehmen könnte (Veblen verfährt nicht so, ich habe es aber durchaus schon so in anderen Blogs gesehen), wollte ich erstmal gucken, wie sich der Schnitt so verhält. 

Wichtig bei Probeteilen von Oberbekleidung: Erstmal klein anfangen. Also ohne Ärmel, ohne Kragen, ohne Rockteil (oder in diesem Fall ohne den angesetzten Rest der Jacke).

... von hinten ...

Auch am Rücken habe ich alles so gelassen wie es ist. 
Allerdings habe ich schon im Schnitt eine HBL (horizontale Bezugslinie) markiert, das ist der Streifen, der über der Taille zusätzlich eingezeichnet ist. Wichtig sind außerdem die rückwärtige Mitte (hier die Naht) und die vordere Mitte.

... und von der Seite.
Tja, und da stand ich nun. 
Ihr musstet nicht mit ansehen, wie ich mich in diesem Probeteil gefühlt habe (ihr habt nur vielleicht das Gejammere über den Schnitt gelesen? ^^) - und auf den ersten Blick sieht es auch gar nicht sooo schrecklich aus, oder?

Nun, weil die Fotos vielleicht nicht so aussagekräftig sind - und ich selbst im Erkennen von Fehlern noch üben muss - habe ich euch die Bilder mal ein bisschen markiert! ;)


Am schlimmsten sieht es eindeutig von der Seite aus. Schon beim ersten Anprobieren hatte ich das Gefühl, dass der Schnitt zu eng und zu weit zu gleich ist. 
Zu weit ist es beispielsweise im Nacken gewesen (1). Auch an an der oberen Schulterpartie war es irgendwie viel zu locker (2 + 8). Auch an der rückwärtigen Teilungsnaht gab es irgendwie zu viel Stoff bzw. fiese Falten, die da nicht hingehörten (6). Zudem saß die Schulternaht falsch (3).
Vorn war es dann natürlich viel zu eng. um die Brust herum gab es sehr starke Zugfalten (4), und - was sich hier zugegeben nur erahnen lässt - die HBL zog sich nach oben, also gerade heraus aus der Horizontalen (7). An der vorderen Teilungsnaht oben, zum Armausschnitt hin, war allerdings wieder viel loser Stoff.

Um es übersichtlicher zu machen, habe ich die Probleme jeweils nur an einer Seite eingezeichnet, allerdings bestanden sie immer auf beiden Seiten.

Die Weite im Nacken lässt sich auch von Hinten ein bisschen erahnen (1), auch die verzogene Schulternaht lässt sich erkennen.
Neu ist hingegen, dass das Armloch nicht passt: Nicht nur, dass an dieser Stelle zu viel Stoff ist (8), auch die Schulter ist an dieser Stelle viel zu breit ausgeformt, sodass das Armloch zu weit außen sitzen würde.
So zwar nicht unbedingt zu erkennen ist, dass der Schnitt an der Taille für eine Jacke einfach viel zu eng saß (10). Ein bisschen Bewegungsfreiheit ist doch schon von Vorteil, schätze ich. ;)


Von vorn schließlich erkennt man gut noch mal, dass an der vorderen Teilungsnaht zum Armloch hin zu viel Stoff ist (5). Auch die Zugfalten um die Brust (4) sind ziemlich gut erkennbar. 
Ziemlich getrickst habe ich ehrlich gesagt bei der vorderen Mitte (11): Eigentlich hätten diese Markierungen so gar nicht übereinander gepasst, dafür musste ich mich echt ziemlich in den Schnitt reinpressen... ^^ Aber auch so wird hier klar: Da fehlt ganz viel Weite! 
Da ist es fast nebensächlich, das die Schultern auch noch insgesamt viel zu weit außen saßen (12).

Tja. Und nun saß ich da und dachte kurz daran, das ganze Ding einfach in die Ecke zu werfen. Vor lauter Zwicken, Zwacken und Schlackern wusste ich nicht so recht, wo ich überhaupt anfangen sollte ...

Wie gut, das ihr jetzt schon wisst, das ich das nicht getan habe. *g*
Allerdings müssen die Änderungen noch ein bisschen Warten, ich will die Fotos auch noch ein bisschen aufbereiten - damit ihr im Strichelchen-Chaos überhaupt noch durchseht. Und wenn ihr noch mal einen Rückblick riskieren wollt:
Jetzt verlinke ich diesen Post noch beim CreaDienstag und hoffe, das da jemand weniger Fältchen gefunden hat als ich. ^^


Kommentare:

  1. Ohjemine! Ich bewundere deinen Ehrgeiz und bin ganz gespannt wie die Anpassung und vor allem das fertige Stück dann aussehen wird :)
    Das die Schulternähte soweit außen sind finde ich irgendwie am merkwürdigsten. Da bräuchte man ja ein richtiges Schwimmerkreuz für!

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    1. *kicher* Ich bin auch gespannt, was am Ende dabei rumkommt. XD
      (Vor allem da der Stoff ja auch recht teuer war, urks!)

      Aber das mit den Schultern finde ich auch äußerst merkwürdig. Vor allem weil der Ausschnitt ja auch so breit ist... total unpraktisch für eine Jacke. o.o

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  2. Liebes Goldkind! Wie mutig und fleißig du doch bist! Ich hätte da ja keinen Elan für. Aber ich habe gestern was Interessantes erfahren: Zwischen Eselsbrunnen und Franckeplatz ist doch das Modeatelier Karina Littich und da konnte ich nicht vorbeigehen, weil die Ausverkauf machen. Neben meinen Stoffschnäppchen habe ich gleich noch eine Beratung bekommen und erfahren, dass zwar der Laden geschlossen wird, das Atelier aber weiter besteht und sie auch Schnitte für die eigene Figur entwerfen/anpassen (da bin ich mir nicht ganz sicher) und man dann für 10 € z.B. einen Hosenschnitt hat und sich die Hose selbst nähen kann. Ach ja, und die passenden Stoffe verkaufen sie auch gleich noch bei Bedarf ;) Diese neue Option lässt mich glatt darüber nachdenken, ob ich nicht doch langsam mal beginnen könnte, für mich zu nähen ^^

    Und noch ne Frage: Wo hast du den Aprikose-Pfirsich-Tee her? Ich suche noch sowas leckeres :)

    Liebe Grüße
    Karo

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    1. Aww, das hast du aber süß gesagt! :*

      Lustig, das du von dem Atelier erzählst - da habe ich erst Stoff gekauft (als könnte ich an Schnäppchen vorbeigehen ^^). Von Schnitten hat sie aber nichts erzählt. Wäre glatt mal eine Idee wert! :D

      Der Tee ist ganz schnöde von Meßmer - aber ziemlich lecker. Sogar kalt! :D

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  3. Vielen Dank für die ausführlihe Beschreibung, ich bin sehr gespannt was deine Änderungen bewirken!

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    1. Es freut mich, wenn ich ein bisschen was nützliches zeigen kann! :D

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  4. Wow. Das ist echt der Wahnsinn - das hätte ich so in dieser ganzen Hülle und Fülle überhaupt nicht gesehen - aber dieses Aufschlüsseln und erklären finde ich richtig toll!
    Vielen dank :D
    Und ich bin froh, dass du dich von dem ganzen Zwicken und Schlackern nicht hast entmutigen lassen, denn ich glaube, das könnte ähnlich wie das Cape einfach jede Mühe wert sein!! :)

    Ich bin schon super gespannt, wie es weitergeht ^^

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    1. Vielleicht wäre es dir am lebenden Objekt leichter gefallen?
      (Zumindest hättest du es bemerkt, wenn du in dieser Jacke gesteckt hättest. XD)

      Schade, das das Projekt nicht so easy peasy ist, wie das Cape, Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben.. ;)

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  5. Ach Du meine Güte... Das ist ja ein Mega-Projekt, dass Du Dir da vorgenommen hast! Aber ich finde es super, hinterher (und auch jetzt schon...) hast Du eine Menge gelernt und eine maßgeschneiderte Jacke!

    Liebe Grüße, Sophina

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    1. Ich hatte ja geahnt, das das aufwendig wird - DAS hatte ich aber ehrlich nicht erwartet. ^^°
      Aber ich freue mich schon auf die Jacke! :D Und ich habe wirklich schon viel gelernt, auch über die Passform an gekauften Sachen zum Beispiel, das ist ziemlich toll! :D

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  6. Herrje, da hattet ihr ja wirklich alle Hände voll zu tun beim Korrigieren des Schnitts. Aber ich gehe davon aus, dass sich die Mühe gelohnt hat. :D
    Ich freu mich, dass du nicht aufgegeben hast. Die fertige Jacke wird sicher total großartig aussehen!

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    1. Alle Hände voll zu tun, du sagst es! Wie gut, das ich zwei zusätzliche Hände hatte! :D
      Hoffentlich lohnt sich die Arbeit! :D

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  7. Oha, ungefähr so sehen meine Webstoff-Probeteile auch oft aus - ich weiß genau, warum ich so selten Jacken nähe :D das ist nämlich ziemlich genau der Punkt, wo ich dann keinen Bock mehr aufs Projekt habe ...
    Bin mal gespannt, was du mit den Änderungen draus machst.

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    1. Ich kann es dir wirklich so gut nachfühlen! :D
      Aber ich will nicht immer nur Kleider oder Quilts nähen, das wird mir irgendwann auch langweilig. *kicher*
      Mal sehen. Ich freu mich schon aufs Weiterwerkeln!

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