Donnerstag, 28. Mai 2015

Von Papier auf Stoff? - Das Zentangle-Nadelkissen

Wer blickt nicht gern über den Tellerrand der eigenen keativen Suppenschüssel?
Also ich mache das gern. Fasziniert war ich zum Beispiel, als Silvi im Juli letzten Jahres Zentangle auf ihrem Blog vorstellte und später sogar eine kurze Einführung in das Thema gab.
Gucken, Winken, Weitergehen war bisher meine Devise - bis ich "Tangle-Muster für Quilter und Stoffkünstler" von Jane Monk entdeckte. Die großartigen Tangles in Garn und Stoff? Genau mein Ding! 

Ein Nadelkissen nur für mich! - Verlinkt bei RUMS.

In dem "Tangle-Muster"-Buch ist unter anderem eine Anleitung für ein "Biscornu" - ein verdrehtes Nadelkissen - enthalten, in das ich mich sofort verliebt habe. Die verschrobenen Quadrate und das Tangle-Muster (es heißt übrigens "Rick's Paradox") ergänzen sich meiner Meinung nach perfekt und ließen in mir den Wunsch wachsen, selbst mal zu tanglen.

Wie ihr seht, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Doch wie ist der Rest des Buches?


Das quadratische Softcoverbuch mit rund 130 Seiten lässt sich grundsätzlich in zwei Teile gliedern: Zunächst eine Einführung ins Zentanglen und anschließend der Anleitungsteil für insgesamt 9 Projekte.
Da ich selbst ja ein Newbie in Sachen Zentangle bin, habe ich mir Silvi mit ins Boot geholt - hier findet ihr auch ihre Meinung zu diesem Buch!

Meine ersten Zentangles!
Wusstet ihr, das der hallesche Thalia die Zentangle-Anleitungsbücher nicht in den Kreativbereich einordnet, sondern zu Lebenshilfe gestellt hat? Diese beinah esoterische Ausrichtung hat mich bisher (unter anderem) vom Testen dieser Technik abgehalten. Daher stellte ich durchaus erfreut fest, das die Autorin hier auf diesen "Schnickschnack" verzichtet und nach einer kurzen Einführung direkt zur Sache kommt.

Die Technik selbst ist fix erklärt: Man zeichnet einen Grundrahmen mit Trennlinien und füllt diese mit Mustern. Für das allererste Mal gibt Monk sogar ein Tangle vollständig vor - das man dann nur noch nachzeichnen muss. (Bei mir ist das übrigens das Tangle oben links.)
Links: Zentangle-Grundlagen, Rechts: Beispiel für ein Muster.
Dann folgen 41 Tangle-Muster, die aus einer Mischung von "offiziellen" Mustern und eigenen Kreationen der Autorin bestehen - hier würde ich vermutlich ohne die Kennzeichnung keinen Unterschied feststellen. Für mich sind die Muster alle gleich gut erklärt und lassen sich gut nachzeichnen. Und alle haben ganz putzige Namen wie Msst, Knase oder Pokeleaf.
Was mir allerdings nicht so gefällt: Die Musterauswahl. Ich selbst mag es eher geometrisch, kantig, eckig - während Jane Monk anscheinend eher weiche, florale Muster oder figürliche Darstellungen mag. Aus diesem Grund ist mein zweites Tangle unvollendet (obere Reihe rechts) und schon nach meinem dritten Tangle habe ich zusätzlich Pinterest bemüht.
Zumal ich vermute, das andere Muster zum Teil leichter mit einer Haushaltsnähmaschine zu Quilten gewesen wären.


Nachdem also der "theoretische" Teil abgehandelt ist, folgt der Anleitungsteil. Auch hier gibt es zunächst eine Einführung: Es werden viele verschiedene Utensilien vorgestellt und die Autorin gibt eine Anleitung, wie die Muster auf Stoff übertragen werden könnten.
Hier wirft die erfahrene Quilterin nun mit Fachwörtern um sich: Langarmmaschine, Pantografen, "Custom Quilting", "Scrumble Muster", "Echo Quilting" - obwohl ich schon einige Erfahrung zu besitzen glaubte, warteten hier viele sprachliche Überraschungen auf mich, die ich erstmal googlen musste, denn in ein Glossar fehlt hier leider.

Was könnt ihr hier konkret nähen?
  • Nadelkissen/Untersetzer
  • Gepäckanhänger/Künstlertauschkarten
  • Gequiltete Namen auf Rahmen
  • Handgestickte Notizbuchhülle
  • Filzhüllen für Gläser
  • Mini-Quilts
  • Dreiteiliger Tischläufer mit Tangle-Muster
  • Neunerblock-Quilt mit Tangle-Muster
  • Quilt-Etikett (ohne Bild)
Erstmal eine durchaus nette Auswahl. Allerdings sind drei der Projekte (Gepäckanhänger/ Künstlertauschkarten, Gequiltete Namen, Quilt-Etikett) nur auf Stoff gezeichnet, was irgendwie schade ist. Zwei der Anleitungen nutzen schließlich Handstiche, der Rest muss entweder mit einer Haushaltsnähmaschine und einem Stickfüßchen gestickt werden oder benötigt eine spezielle Langarmnähmaschine (ein besonderer Maschinentyp, bei der Quiltmuster einprogrammiert werden können).

Wer hier nicht die nötigen Utensilien oder die Muse zum langwierigen Handnähen mitbringt, wird viele der Ideen der Autorin nicht eins zu eins umsetzen können. Dabei ist das Buch hier gut ausgestattet, denn alle vorgestellten Projekte kommen sogar mit Stickvorlagen daher, sodass man nicht mal selbst zeichnen müsste.

Abgesehen von diesem Manko sind die Anleitungen selbst sehr ausführlich. In Wort und Bild leitet Monk uns durch jeden einzelnen Arbeitsschritt, sodass hier sogar Nähanfänger schöne Projekte zaubern können - wie detailliert die Zentangle-Gestaltung dann am Ende ausfällt, kann man ja individuell bestimmen.

Viel Inspiration: Sowohl das zeichnete als auch das gequiltete Anschauungsmaterial ist großartig.
Obwohl ich mich sehr motiviert in Jane Monks Zentangle-Quilting begeben habe, war ich beim Anblick der tollen Ideen - und der Erkenntnis, viele davon so erstmal nicht umsetzen zu können - ein wenig enttäuscht.

Wer etwas Erfahrungen im Nähen oder Quilten hat und ohne großes Buhei mal ins Zentanglen reinschnuppern will, findet hier aber eine tolle Inspirationsquelle. Die Idee hinter dem Buch finde ich richtig klasse - so sehr, das ich mir ergänzend noch ein Zentanglebuch kaufen werde. ;)

Und wer sich jetzt bis zum Schluss durch diese Vorstellung gekämpft hat, bekommt einen Keks! ^^ Und das Versprechen, das es morgen zu diesem Titel ein kleines Gewinnspiel geben wird. Schaut doch vorbei! (und hier ist es auch schon!)

Schließlich stelle ich das Buch noch in mein offenes Bücherregal und bedanke mich noch beim Stiebner-Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Ich finde total spannend, dieses Buch aus unseren beiden Blickwinkeln betrachten zu können. Was einem gegenseitig so gar nicht im ersten Moment aufgefallen ist wird so plötzlich klar :)
    Und es tröstet mich aber auch ein bisschen, dass selbst du als Quilterin mit einiger Erfahrung von den Begrifflichkeiten nicht alles sofort zuordnen konntest. Da fühle ich mich nicht gaaaanz so unfähig XD

    Dein Nadelkissen finde ich immer noch totchic - das ist wirklich eines der tollsten Projekte aus dem Buch ♥

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    1. Also die Anleitungen selbst kommen ja ohne viele Fachwörter aus - aber die Vortexte haben es dafür in sich. ^^°

      Ich hab übrigens - wegen der Nadelkissenform - auch schon überlegt, das sich das sicher auch richtig toll als Bodensitzkissen gestalten lassen würde! Vielleicht demnächst mal... ^^

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  2. ach, da ist das coole nadelkissen. uiuiui. so schön! mal sehen, ob ich das auch hinbekomme.
    liebst,
    jule*

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    1. Aber na klar! Du musst nur ein bisschen Lust auf Handnähen haben. ;)

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