Mittwoch, 4. November 2015

Von der Natur inspiriert - "Raffinierte Häkelmode"

Eigentlich wollte ich euch folgendes gestern schon berichten - aber dann kam mir die Premiere von "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?" auf Vox dazwischen!

Der deutsche Ableger von "The great british sewing bee" hat mich insgesamt schon gut unterhalten, was aber in meinen Augen gar nicht geht, sind die "Sticheleien", die sogar im Trailer angesprochen wurden. Gut inszeniertes Drama weiß ich natürlich zu schätzen (^^), aber das war meines Erachtens meistens einfach überflüssig. Von den zwei kreativen Aufgaben war ich auch nur halb überzeugt, die meisten Upcyclingsachen sind halt einfach nicht mein Ding.

Aber warten wir ab, wie es weiter geht. Bis dahin zeige ich euch erstmal dieses Buch:

"Raffinierte Häkelmode. 18 von der Natur inspirierte Designs" von Yumiko Alexander



Tatsächlich besitze ich kein einziges Häkelbuch in meinem sonst gut gefüllen (oder besser überfüllten? ^^) DIY-Bücherregal, sehen wir mal von dem Knooking-Buch ab, das ich vor einiger Zeit hier vorgestellt habe. Und das ist nicht mal ein richtiges Häkelbuch.

Woran liegt das?
Sicherlich nicht am fehlenden Angebot, denn das ist eher sehr reichlich. So reichlich, das ich zu Beginn meiner Häkelkarriere (und eigentlich auch jetzt noch) vom Angebot überfordert war. So habe ich mir dann das Häkeln doch lieber von meiner lieben Silvi beibringen lassen und suchte bisher meine Anleitungen im Internet zusammen, was mal mehr, mal weniger erfolgreich lief.


Nun bin ich bei "Raffinierte Häkelmode" aber doch schwach geworden. Vermutlich erinnerte mich das Buchcover ein wenig an mein Pineapple-Tuch? Auf jeden Fall war ich direkt hingerissen. Als das Buch dann beim mir ankam, war ich immer hoch motiviert - und nach dem ersten Durchblättern etwas verunsichert, denn "Raffinierte Häkelmode" ist anders als die Häkelbücher, die ich bisher in der Hand hatte.

Erstmal gibt es keine Grundlagen, keine Einführung in drei beliebige und somit nutzlose Wolltypen oder eine Abhandlung über verschiedene Häkelnadelmaterialien, die auch niemand braucht. Alles, was neben den Anleitungen wichtig ist - also das Register sowie Zeichen- und Abkürzungserklärung - passt auf zwei schlanke Seiten am Ende des Buches. Ganz nach meinem Geschmack!

Nachdem das grundlegende Konzept schon mal stimmt, gibts noch die große Hürde "Modellauswahl":
  1. Spitzenlage (Schal)
  2. Laceträume (Armstulpen)
  3. Sandmuscheln (Poncho)
  4. Brückenstruktur (Poncho)
  5. Sonnenuntergang (Bolero)
  6. Meeresblume (Stola)
  7. Schmuckperlen (Bolero)
  8. Korallenkette (Kette)
  9. Schiefertafel (Poncho)
  10. Sanddollar (Poncho)
  11. Seerose (Schal)
  12. Seestern (Stola)
  13. Meerglas (Schal)
  14. Seeigel (Mütze)
  15. Treibnetz (Stola)
  16. Treibholz (Stola)
  17. Strandblumen (Beinstulpen)
  18. Schildkröte (Poncho/Titelmodell)
Hinter die klangvollen Namen der Projekte habe ich mal ergänzt, was eine "Meeresblume" oder ein "Seeigel" darstellen soll. (Ganz nebenbei: Lustig, das ich ja auch eine Mütze mit "Seeigel" betitelt habe. Die hat allerdings nichts mit dem dort gezeigten Projekt zu tun. ^^)

Bei genauer Analyse muss man hier feststellen: Die Projektauswahl ist eintönig. Gerade einmal vier Projekte - eine Kette, eine Mütze sowie die Arm- und Beinstulpen - unterscheiden sich im wesentlichen von "Oberbekleidung".
Dabei könnte Häkelmode doch noch viel mehr sein: Ein Rock beispielsweise oder eine Weste hätten mir sehr gut gefallen.
links: Schal "Spitzenlage", rechts: Kette "Korallenkette"

Wer aber grundsätzlich auch etwas anderes als Accessoires häkeln möchte, sollte sich davon nicht abhalten lassen, denn auch die 14 Anleitungen für "halsnahe Projekte" sind können optisch der Kracher sein. Allerdings ... auch die Natur nicht immer hübsch oder praktisch. Und so gibt es hier leider auch zwei, drei Projekte mit denen ich optisch gar nichts anfangen kann.
Nur nicht ganz so toll finde ich beispielsweise die "Spitzenlage", ganz unmöglich ist hingegen die "Korallenkette" - es sei denn, man plant ein Zombiekostüm und möchte sich ein paar kleine Gehirne umhängen.

links: "Sanddollar" , rechts: "Meeresblume"

Neben diesen optischen Entgleisungen gibt es aber noch einen Haufen toller Modelle, allerdings muss man einen romantischen, verspielten Stil bevorzugen. Abgesehen von ein, zwei schnörkellosen, geradlinigen Projekten liegt der Schwerpunkt eindeutig auf sehr femininen Designs.
Designerin Yumiko Alexander kombiniert diese dann mit kräftigen und fluffigen Wollen, die mit größeren Nadeln verarbeitet werden müssen. Das Titelmodell steht daher nur teilweise stellvertretend für den Inhalt.

Bevor ich zu meinem Projekt aus diesem Buch komme, sei noch etwas zu den Anleitungen gesagt:
Jedes Projekt hat eine kleine Einleitung erhalten, in der die Motivation der Autorin sowie Größe, Materialien, verwendete Häkelnadeln und Zubehör genannt werden. Diese Angaben sind nach meiner Einschätzung recht verlässlich.
Die eigentliche Anleitung teilt sich dann in einen Textteil und ein Häkelschema. Wer allein mit dem Schema nicht zurecht kommt, kann so immer wieder in der Anleitung nachlesen. Die Anleitungen sind im "Häkel-Steno" verfasst - also mit extrem vielen Ankürzungen. Das ist sicherlich Gewöhnungssache und durchweg üblich. Aber bei den zusätzlichen Erklärungen am Rand hätte man Worte wie "Häkelnd" und "M" ruhig ausschreiben können.

Zusätzlich gibt es zu jedem Projekt viele Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven - sehr praktisch!

Da ich mir bisher eher kleine Projekte mit mittleren Nadelgrößen vorgenommen habe, fiel mir die Umstellung auf diese Größenordnungen etwas schwer. Erstmal ein Projekt auswählen, das ich so tatsächlich auch tragen würde und dann noch die passende Wolle finden... 

Schlussendlich habe ich mich aber doch entscheiden können:

"Treibnetz" im Original und in meiner eisfarbenen Version.

Ich arbeite gerade an "Treibnetz", einem Überwurf, den ich aber als größeren Cardigan umsetzen möchte. Das Muster ist im Wesentlichen aus vier Quadraten zussammengesetzt, die mich ein bisschen an Granny Squares erinnern! :D
Außerdem habe ich mir noch ein, zwei andere Projekte vorgemerkt.

Mein persönliches Fazit ist also am Ende positiv. Wer die 22€ aber frustfrei investieren möchte, sollte sich einmal einen Überblick über die Modelle verschaffen (einen kleinen Einblick gibt übrigens schon der Stiebner Verlag auf seiner Homepage!) und zweitens bereits einige Häkelerfahrung mitbringen. Dann machen die Projekte von Yumiko Alexander wirklich großen Spaß!


Schließlich bedanke ich mich noch beim Stiebner-Verlag für die kosten- und bedingungslose Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Eine schöne, umfassende Vorstellung des Buches. Ich finde du wirst ihm in jeder Hinsicht gerecht - in der positiven wie manchmal optisch merkwürdigen ^^
    Das Treibnetz finde ich schon sehr cool als erstes Modell - ich bin schon super gespannt, wie deine eisblaue Version aussehen wird!!

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    1. Ich werde mein Eis-Treibnetz auf jeden Fall vorstellen, wenn es fertig ist! :D

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